Aspect Advisory_DE

Einführung

Der Klimawandel ist ein weltweit zunehmendes Problem, dessen Auswirkungen über geografische und ökologische Folgen hinausgehen. Er stellt auch ein erhebliches Risiko für die allgemeine Finanzstabilität dar. Angesichts der zunehmenden Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse müssen Unternehmen, Regierungen und Finanzinstitute diese Klimarisiken verstehen und ihnen begegnen.

Das Carbon Disclosure Project (CDP) wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen und hat sich mit den umfangreichsten und umfassendsten Daten zu Maßnahmen von Unternehmen und Städten als Goldstandard für die Umweltberichterstattung etabliert. Der CDP Global Supply Chain Report quantifiziert die Klimarisiken, die in den nächsten fünf Jahren zu Umsatzverlusten in Höhe von 1,26 Billionen US-Dollar für Zulieferer führen könnten. Der Einfluss dieser Faktoren hat neben geopolitischen Entwicklungen, Kriegen und Inflation erhebliche Auswirkungen auf die finanzielle Leistungsfähigkeit von Unternehmen.

Unternehmensführer sind bestrebt, die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken zu mindern, doch dieses Ziel stellt eine komplexe Herausforderung dar. Im Bereich des Klimawandels stehen Unternehmen vor zwei großen Hürden: zum einen die Erhebung und Analyse von Daten und zum anderen die Entscheidungsfindung auf der Grundlage dieser datengestützten Informationen.1

Um dies zu erleichtern und diese Hindernisse gemeinsam zu überwinden, hat der Innovation Hub Eurosystem Centre der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zusammen mit der Banco de España, der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank das Projekt Gaia ins Leben gerufen, eine IA-gestützte Plattform, die eine umfassende Analyse klimabezogener Risiken im Finanzsystem ermöglicht.

In diesem Artikel werden wir uns mit dem Konzept der Klimarisikoanalyse im Rahmen der Ziele des Projekts Gaia befassen und eine Bewertung dieser innovativen Forschungsinitiative vornehmen, die darauf abzielt, die Komplexität des Klimawandels zum Wohle der Allgemeinheit zu beleuchten. 

Verständnis der Faktoren, die Klimarisiken beeinflussen

Um Klimarisiken effektiv zu managen, ist es entscheidend, sie genau zu identifizieren und zu bewerten. Die Klimarisikoanalyse umfasst sowohl die Bewertung physischer Risiken, wie z. B. die unmittelbaren Auswirkungen extremer Wetterereignisse, als auch die Bewertung von Übergangsrisiken, die sich aus dem langfristigen Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft ergeben.

Zu den physischen Risiken zählen beispielsweise Schäden an der Infrastruktur, Unterbrechungen der Lieferketten und steigende Versicherungskosten. Übergangsrisiken hingegen können politische Veränderungen, technologische Fortschritte oder Veränderungen der Verbraucherpräferenzen umfassen, die sich auf den Wert bestimmter Vermögenswerte oder Branchen auswirken können.

Bei Klimarisiken ist es außerdem wichtig, verschiedene Faktoren zu berücksichtigen, die zu ihrer Komplexität beitragen. Geopolitische Spannungen, bewaffnete Konflikte und Inflation können die Anfälligkeit von Unternehmen gegenüber klimabedingten Störungen verstärken. So kann beispielsweise politische Instabilität in einer Region die Umsetzung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen behindern und Unternehmen größeren Risiken aussetzen. 

Das Problem: Der Zugang zu klimabezogenen Indikatoren

In der heutigen Geschäftswelt stützen sich Unternehmen häufig auf anekdotische und historische Daten, um wichtige operative und strategische Entscheidungen zu treffen. Dieser traditionelle Ansatz reicht jedoch nicht aus, um die Auswirkungen des Klimawandels und seine zunehmende Volatilität zu bewältigen. In Zukunft wird es unerlässlich sein, anzuerkennen, dass vergangene Ereignisse nicht mehr als verlässliche Indikatoren für die Zukunft dienen können. Vor diesem Hintergrund müssen Unternehmen eine neue Technik namens Klimarisikoanalyse einführen, um potenzielle Risiken, die sich aus dem Klimawandel ergeben, besser zu verstehen und zu mindern.

Zentralbanken und Aufsichtsbehörden sind zunehmend verpflichtet, Klimarisikoanalysen durchzuführen, um die Anfälligkeit des Finanzsystems gegenüber dem Klimawandel zu bewerten. Für diese Bewertungen benötigen sie Daten, die von hoher Qualität, vergleichbar und leicht zugänglich sind.

Allerdings sehen sich diese Finanzinstitute und Organisationen bei der Beschaffung wertvoller klimabezogener Indikatoren mit erheblichen Hindernissen konfrontiert. Dies behindert eine effektive Entscheidungsfindung und schränkt das Verständnis der mit dem Klimawandel verbundenen Gefahren und Chancen ein.

Es gibt zahlreiche Hindernisse, die den Zugang zu Informationen über die Ziele und Maßnahmen einer Institution im Zusammenhang mit Klimarisiken erschweren: 2 

  • Mangelnde Standardisierung: Die ESG-Berichterstattung führt zu einer Vielzahl unterschiedlicher Rahmenwerke und Messgrößen, was die Extraktion und den Vergleich von ESG-Indikatoren zwischen Unternehmen und Branchen erschwert.

 

  • Datenqualität und -genauigkeit: ESG-Daten stellen eine Herausforderung dar, da sie in der Regel auf selbst gemeldeten Informationen und manchmal auf Proxy-Daten basieren, die anfällig für menschliche Fehler, Ungenauigkeiten, Verzerrungen oder mangelnde Transparenz sein können.

 

  • Umfang und Wesentlichkeit: Eine ständige Herausforderung besteht darin, die ESG-Faktoren zu identifizieren, die für die Leistung eines Unternehmens am wichtigsten sind und offengelegt werden sollten, da sie je nach Branche und Kontext variieren.

 

  • Regulatorische Fragmentierung: Die ESG-Berichterstattung ist komplex und fragmentiert, da verschiedene Länder und Regionen ihre eigenen Vorschriften entwickelt haben.

Der Ansatz des Projekts Gaia

Eine bemerkenswerte Initiative im Bereich der Klimarisikoanalyse ist das Projekt Gaia. Das Projekt Gaia ist eine gemeinsame Initiative des BIS Innovation Hub Eurosystem Centre, der Bank von Spanien, der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank. Sein Ziel ist es, generative künstliche Intelligenz (KI) zu nutzen, um klimabezogene Risiken innerhalb des Finanzsystems zu untersuchen.

Durch den Einsatz fortschrittlicher Modellierungstechniken und Datenanalysen liefert das Projekt Gaia wertvolle Erkenntnisse über die potenziellen Risiken und Chancen des Klimawandels. Es verwendet einen szenariobasierten Ansatz, der eine Reihe möglicher Klimazukünfte und deren Auswirkungen berücksichtigt. Dieser Ansatz ermöglicht es Unternehmen, ihre Portfolios und Geschäftsstrategien anhand verschiedener klimabezogener Szenarien einem Stresstest zu unterziehen, um so Schwachstellen zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zur Risikominderung zu entwickeln.

Im Gegensatz zu vielen anderen Forschungsprojekten arbeitet das Projekt Gaia im öffentlichen Interesse und auf gemeinnütziger Basis und betont sein Engagement für die Förderung wissenschaftlicher Erkenntnisse und nachhaltiger Lösungen.

Die wichtigsten Komponenten des Projekts Gaia

Um die Auswirkungen und das Potenzial des Projekts Gaia vollständig zu verstehen, ist es wichtig, seine wichtigsten Komponenten zu untersuchen. Erstens schlägt die Initiative die Entwicklung eines universellen Rahmens für die Berichterstattung über klimarisikobezogene Indikatoren vor. Dieser Rahmen wird sowohl finanzielle als auch nichtfinanzielle Daten umfassen und so eine umfassende Bewertung und Analyse gewährleisten. Zweitens betont das Projekt Gaia die Integration der Klimarisikoanalyse in Entscheidungsprozesse aller Sektoren. Durch die Einbeziehung von Klimabelange können Unternehmen die potenziellen Risiken, denen ihre Investitionen und Aktivitäten in Zukunft ausgesetzt sein könnten, besser verstehen. 

Veränderung durch Zusammenarbeit und Integration

Das Projekt Gaia erkennt an, dass die Bewältigung von Klimarisiken gemeinsame Anstrengungen verschiedener Interessengruppen erfordert. Es fördert Partnerschaften zwischen Finanzinstituten, Unternehmen, Regulierungsbehörden und Regierungen, um die Analyse von Klimarisiken in ihre jeweiligen Praktiken zu integrieren. Durch die Bündelung ihrer Kräfte können diese Akteure gemeinsam ihr Verständnis für klimabezogene Risiken und Chancen verbessern und so den Weg für nachhaltigere und widerstandsfähigere Entscheidungen ebnen. 

Vorstellung der Ergebnisse

Die Ergebnisse des Projekts Gaia haben weitreichende Auswirkungen auf politische Entscheidungsträger, Unternehmen und Gemeinden. Durch die Aufdeckung der potenziellen Risiken des Klimawandels können Entscheidungsträger Strategien entwickeln, um diese Risiken zu mindern, sich an veränderte Bedingungen anzupassen und eine widerstandsfähigere Zukunft aufzubauen.

Die Initiative „Projekt Gaia” hat erfolgreich gezeigt, dass KI und Algorithmen des maschinellen Lernens zur Analyse der mit dem Klimawandel verbundenen finanziellen Risiken eingesetzt werden können. Durch den Zugriff auf öffentlich zugängliche Informationen bietet Gaia ein effektives und vertrauenswürdiges Mittel zur Beschaffung klimarisikobezogener Daten.

Gaia demonstriert das sich abzeichnende Potenzial der Nutzung von LLM für die Datenextraktion. Dieses Projekt ist ein früher Beleg für die Machbarkeit und die Erforschung der Möglichkeiten dieser Technologie in großem Maßstab. 

Fazit: Maßnahmen für eine widerstandsfähige Zukunft

Die finanziellen Auswirkungen des Klimawandels sind unbestreitbar. Die Klimarisikoanalyse ist ein wertvolles Instrument für Unternehmen, um diese Risiken effektiv zu bewerten und zu managen. Durch die Umsetzung von Initiativen wie dem Projekt Gaia und die Integration der Klimarisikoanalyse in ihre Strategien können Unternehmen und Finanzinstitute fundierte Entscheidungen treffen, die zu einer widerstandsfähigen und nachhaltigen Zukunft beitragen.

Es ist an der Zeit, dass alle Akteure aus allen Bereichen zusammenarbeiten und konkrete Maßnahmen zur Bewältigung der Klimarisiken ergreifen. Durch die Nutzung von Rahmenwerken zur Klimarisikoanalyse und eine transparente Berichterstattung können wir ein finanziell stabiles Umfeld schaffen, das widerstandsfähig gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels ist. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, eine klimaresistente Wirtschaft für künftige Generationen aufzubauen. 

Contact us

Stuart Thomson

Partner,

Aspect Advisory